Bogendesigns
Kompositbögen
Keinem der Freier gelang es auch nur, den Bogen des Odysseus zu spannen…

Keinem der Freier gelang es auch nur, den Bogen des Odysseus zu spannen, da meldet sich der Bettler, um es auch einmal zu versuchen. Mit Leichtigkeit spannte er den Bogen und schoss den Pfeil durch die zwölf Ösen.
aus Homers Odyssee
Es ist nicht nur eine Kunst, einen Kompositbogen wie den vom Odysseus zu spannen; man braucht auch einiges an Erfahrung und Wissen, um einen zu bauen.
Osmanischer Kompositbogen
Meinen ersten Kompositbogen nach osmanischem Vorbild habe ich wieder beim Micha gebaut. Ein zweiter wartet in meiner Werkstatt auf seine Fertigstellung. Damit ich dieses sehr spezielle Wissen an meine Kursteilnehmer weitergeben kann, brauche ich aber noch einiges an Übung. Im Moment reicht es mir, das Wissen, das sich der Micha erarbeitet hat, zu bewahren. Dafür, dass er es mir beigebracht hat, bin ich ihm ewig dankbar!






Schneide alles vom Holz, was nicht dazu gehört und übrig bleibt ein Bogen.
Dieser Hinweis gilt für alle Primitivbögen. Bei den Bögen mit Backing haben wir diesen Pfad aber bereits verlassen, und beim Komposit Bogen stimmt dann gar nichts mehr von dieser Beschreibung. Die hier gezeigten osmanischen Komposit Bögen gelten als das am besten ausgeklügelte Reflexbogen Design. Sie werden aus verschiedenen aufeinander abgestimmten Komponenten zusammengesetzt. Der Kern aus Ahorn besteht aus dem Griff, den beiden Wurfarmen und den starren Hebeln. Auf der Bauchseite wird der Bogen mit einem Faceing aus Büffelhorn belegt. Der Bogenrücken wird über den Griff hinweg mit 3 Schichten Sehnen Backing belegt und dieses wie beim Snake Bow weiter oben mit einer dünnen Roh Haut oder Rinde vor Nässe geschützt. Der ganze Prozess erfordert viel Übung sowie Wissen über die verschiedenen Materialien und deren Bearbeitung.
Die extrem kurzen Bögen verlangen von den Schützen einiges Mehr an Fähigkeiten und Präzision im Schuss, dafür eignen sie sich besonders gut für das Schießen mit Daumentechnik oder vom Pferd.
Im Osmanischen Reich gab es ganze Dörfer, die sich dem Bau dieser ausgefeilten Bogentechnik gewidmet haben. Der kurze biegsame Teil „Sal“ geht in eine dynamische Verlängerung „Kasan“ und die starren Hebelverlängerungen „Siyash“ über. Diese sorgen auch bei hohen Zuggewichten für einen weichen Auszug. Besonders bemerkenswert ist die hohe Pfeilgeschwindigkeit, und die hohe Reichweite dieser Bögen. Sultan Selim der III. hat bereits um 1800 mit einem seiner Kompositionen einen Weitschuss Weltrekord von fast 900 Metern aufgestellt.

Mein Bogen ist bei weitem nicht so stark wie der vom Sultan – d.h. ich schieße nicht so weit!
Angular Bogen nach Assyrischem Vorbild – Ein Experiment mit einem überraschend gelungenen Ergebnis

Ich war anfangs gar nicht so begeistert von der Idee, einen Komposit Bogen zu bauen, mir liegt das Herausschälen des Bogens näher am Herzen als das Zusammenkleben der einzelnen Komponenten. Handwerklich war der Bogen dann aber ein spannendes Projekt mit einer steilen Lernkurve.
Überrascht wurde ich am Ende dann von der Weichheit im Auszug, dass sich die 40 lbs wie 35 lbs anfühlten und dass der Bogen trotz seinem schlanken Design seitlich stabil bleibt, die Siyash sich nicht seitlich wegdrehen!
Die Vorlage für diesen Bogen haben wir im Internet gefunden! Mario wollte einen Komposit Bogen mit 2-seitigem Bambus Belag. Lena hat uns ein Video geschickt und schon haben wir uns an die Arbeit gemacht. Die Idee war, einen vorgefertigten Kern (ähnlich wie der beim Osmanen) zu bauen und ihn dann nicht nur am Rücken (siehe Backing mit Bambus), sondern auch auf dem Bauch (Faceing) mit Bambus zu belegen.

Bambus ist von Natur aus zugelastisch. Bei der Druckstabilität zeigt es sich aber nicht von der besten Seite. Das lässt sich ändern, wir haben den Bauch „getempert“, das heißt, wir haben ihn mit Temperatur behandelt:
2 Heat Guns auf 200 Grad, viel Lärm in der Werkstatt, ein Geruch nach frisch getrocknetem Heu und eine Stunde später war der Bambus etwas karamellfarbener als zuvor und er konnte etwas, das er vorher nicht konnte – er ist druckstabil geworden. Am Anfang lässt sich der Bogen auf dem Tillerbalken kaum ziehen. Der Bogen muss wiederholt belastet werden, eine mitunter schweißtreibende Arbeit. Nach 20–30-maligem Ziehen ist er dann aber ohne weitere Materialabnahme weicher als zuvor. Durch die wiederholte Belastung wird der bauchseitige Bambus gestresst & konditioniert! Nach jedem Materialabtrag haben wir dieses „mechanische Belasten“ wiederholt und am Ende einen perfekt getillerten Bogen erhalten.



Nach meinem Geschmack sind die Siyash bei diesem Modell etwas zu schwer, deshalb habe ich ihm einige Löcher gebohrt.
Für einen Prototypen liegt der Bogen aber gut in der Hand. Selbstverständlich haben wir gleich einen etwas schwächeren Bogen mit schlankeren Siyash gebaut, aber den hat sich der Mario in die Schweiz mitgenommen, und das hat er sich redlich verdient.
Fazit
Der Bogen macht Spaß und im Gegensatz zum osmanischen Kompositbogen ist der Assyrer wesentlich leichter zu bauen.
- Er ist länger als der Osmane & kürzer als die üblichen Prim Bows
- Er lässt sich sowohl mediterran als auch mit Daumentechnik schießen
- Auszüge bis über 30″ sind kein Problem & er hat überhaupt kein Stacking
- Der Handschock verschwindet mit den schmäleren Siyash
Wenn du so einen Bogen möchtest, komm zum Fortgeschrittenen Kurs, da haben wir mehr Zeit, uns auf dieses Experiment zu konzentrieren!


Kontakt: JOE Knauer | +43 664 11 22 132 | joe@bogenbau.jetzt